Mehr Diagnosesicherheit beim Prostata-Karzinom
Dipl.-Pol. Jörg Maas Pressearbeit
Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.
Mit der Multiparametrischen Magnetresonanz-Tomographie und der PSMA-PET-Methode stehen mittlerweile moderne Untersuchungsverfahren zur Diagnose von Prostatakarzinomen zur Verfügung. PSA-Screening kann laut aktuellen Auswertungen Leben retten. Es sind neue Medikamente für Karzinome mit Kastrationsresistenz verfügbar.
Mit rund 63.000 Neuerkrankungen ist das Prostatakarzinom die
häufigste Krebserkrankung bei Männern. Laut Aussage der Deutschen
Krebsgesellschaft steigt die Kurve der Neuerkrankungen seit drei
Jahrzehnten kontinuierlich an. Forschung und Wissenschaft arbeiten an
Methoden, um die Früherkennung zu verbessern und neue Diagnose-Methoden
zu entwickeln.
Multiparametrische Magnetresonanz-Tomographie und die PSMA-PET-Methode
Bislang konnte das Prostata-Karzinom mit den klassischen bildgebenden
Verfahren in der Tumordiagnostik nicht exakt diagnostiziert werden. Denn
bei Auffälligkeiten nach einem Tastbefund werden bei der mit
transrektalem Ultraschall gelenkten Stanzbiopsie bis zu zwölf
Gewebeproben systematisch, aber blind aus der Prostata entnommen. Ein
Verfahren, welches zwar im Allgemeinen gut vertragen wird, sehr selten
aber auch mit möglichen Nebenwirkungen wie Infektionen verbunden sein
kann.
Das könnte sich nun ändern. „Die multiparametrische
Magnetresonanz-Tomographie, abgekürzt mpMRT, ist ein neuartiges und
äußerst genaues bildgebendes Verfahren“, erklärt Prof. Glen Kristiansen
vom Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Bonn. „Bei der
strahlungs- und schmerzfreien Untersuchung werden die aggressiven
Tumorherde in der Prostata erkannt, so dass der Radiologie oder auch der
Urologe gezielter Gewebe entnehmen kann. Die neue Methode hilft auch
bereits dabei, klinisch insignifkante Tumoren von aggressiven Tumoren
besser zu differenzieren.“ Noch ist das moderne Verfahren allerdings
nicht in standardisierter Qualität auf breiter Ebene verfügbar. Und die
systematische Biopsie ist immer noch nötig, da noch unklar ist, ob die
alleinige Untersuchung mithilfe des mpMRT ausreicht, um alle klinisch
signifikanten Tumoren zu erkennen.
Zu den innovativen Untersuchungsverfahren in der Diagnostik von
Prostata-Karzinomen zählt zudem die Positronenemissionstomographie (PET)
mit radioaktiv markierten, niedermolekularen Liganden des
Prostata-spezifischem Membranantigens (PSMA). „Diese sogenannte
PSMA-PET-Methode wird meist für die Stadieneinteilung in bei einem
biochemischen Rezidiv nach radikaler Prostatektomie bzw. Bestrahlung
verwendet“, erläutert Prof. Dr. Peter J. Wild vom Dr. Senckenbergischen
Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Frankfurt. „Selbst bei
niedrigen PSA Werten gelingt der Nachweis von lokalen Rezidiven. Eine
Trefferquote von zirka 70 Prozent ist bei PSA Werten von 0,5-1ng/ml
möglich. Auch Metastasen lassen sich durch diese Methode detektieren.“
Langzeitstudien zum PSA-Screening als Früherkennung erforderlich
Seit mehreren Jahren gibt es eine international kontrovers geführte
Debatte, ob ein PSA Screening eine Früherkennung des Karzinoms
unterstützt. Hierbei werden beschwerdefreie Männer auf einen erhöhten
Wert des prostataspezifischen Enzyms PSA untersucht. „Die europäische
Langzeitstudie ERSPC (European Randomized Study of Screening for
Prostata Cancer) ist die derzeit aussagekräftigste Untersuchung“, so
Prof. Kristiansen. „Sie läuft seit 1993 und weist eine Senkung des
Sterberisikos bis heute um etwa 27 Prozent nach. Neueste Zahlen belegen,
dass die Anzahl der Patienten, die therapiert werden müssen, immer
weniger werden. Man kann also durch das Screening Leben retten, der
Aufwand ist allerdings relativ hoch.“
Neue Medikamente bei Kastrationsresistenz
Von einer Kastrationsresistenz beim Prostatakarzinom spricht der
Mediziner, wenn die Krebserkrankung fortschreitet, obwohl der Patient
eine klassische Hormonentzugstherapie erhält. Dabei werden dem Tumor
männliche Geschlechtshormone entzogen, sogenannte Androgene, um das
Tumorwachstum zu hemmen. Voraussetzung für die Diagnose
Kastrationsresistenz ist ein niedriger Testosteronspiegel im Blut. Für
den Patienten bedeutet dies, dass Medikamente mit einer Wirkung des
körpereigenen Hormons LH-RH nicht mehr greifen und der Tumor resistent
gegen einen reinen Hormonentzug geworden ist. Für diese Situation gibt
es nun neue Therapiemöglichkeiten.
„In den letzten Jahren wurden für diese Patientengruppe mehrere neue
Medikamente zugelassen“, führt Prof Wild aus. „Hierbei sind vor allem
zwei zu nennen: Abirateron in Kombination mit Prednison sowie
Enzalutamid. Abirateron, Handelsname Zytiga, ist seit November 2017
zugelassen und ein selektiver Inhibitor des Enzyms CYP17A1, das
normalerweise sowohl die Testosteron- als auch die Östrogen-Produktion
katalysiert. Enzalutamid, Handelsname Xtandi, hemmt den Signalweg des
Androgenrezeptors an drei Stellen und ist seit Juni 2013 für Männer mit
metastasiertem Prostatakrebs zugelassen.“
Die Zukunft: Biomarker und Liquid Biopsy
Immer mehr molekulare Marker helfen bei der Diagnostik von Karzinomen.
Beim Prostatakrebs als genetisch sehr heterogene Erkrankung sind
molekulare Tests bislang noch sehr teuer. „Untersuchungen legen nahe,
dass metastasierte Prostatakarzinome mit DNA-Reparaturdefekten auf eine
systemische Therapie mit PARP-Inhibitoren, wie Olaparib, ansprechen,
wenn Mutationen in Genen der DNA-Reparatur, sogenannte homologe
Rekombinationsdefizienz, HRD, vorliegen“, so der Bonner Pathologe
Kristiansen. „In Studien wird auch eine besondere Form des
Androgenrezeptors, AR-V7 als Biomarker zur Vorhersage des Ansprechens
einer Therapie mit Abirateron/Enzalutamid untersucht. Noch ist aber
nicht klar, welche Rolle dieser Biomarker in der Praxis spielen wird und
welches Testsystem das geeignetste ist.“
Eine wichtige Rolle als Frühwarnsystem nicht nur für das
Prostatakarzinom kann zukünftig die sogenannte „Liquid Biopsy“ spielen,
bei der Tumor-DNA in Blutproben nachgewiesen wird. Im Vergleich zu
lokalen Verfahren wie Nadelbiopsien, bei der nicht immer alle
Tumorläsionen entdeckt werden, fließen im Blut Tumorzellen aus
unterschiedlichen Körperregionen zusammen. Noch ist die Wissenschaft
allerdings auf der Suche nach hochsensitiven molekularanalytischen
Verfahren, um auch kleineste Spuren von Tumor-DNA zuverlässig im Blut
nachweisen zu können.