Bei Krebsdiagnose Eigeninitiative statt Kassenkorsett

Im Falle einer Krebsdiagnose wären viele Deutsche bereit, tief in die eigene Tasche zu greifen und Geld für Selbstzahlerangebote, aber auch für Dienstleistungen zu bezahlen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage – im Auftrag eines Versicherers.

Von Matthias Wallenfels

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Erlauben es die finanziellen Mittel, greifen Krebspatienten häufig auch zu alternativen Heilmethoden, die Krankenkassen nicht bezahlen.
© Fuse / Getty Images / Thinkstock

BERLIN. Wird einem Patienten die Diagnose Krebs gestellt, ändert sich das Leben von heute auf morgen. Ist er gesetzlich krankenversichert, kann er in der Regel mit der Gewährung von Standardtherapien und teilweise auch von Komplementärmedizin rechnen. Außerdem zahlen die Kassen für psychologische Betreuung, Haushaltshilfen und Fahrtkosten.

Dennoch wären 64 Prozent der Erwachsenenbevölkerung im Falle einer Krebsdiagnose bereit, Geld auszugeben, um innovative Behandlungsformen in Anspruch nehmen zu können, falls diese nicht von der Kasse bezahlt werden.

Das geht aus einer am Montag anlässlich des Weltkrebstages (4. Februar) veröffentlichten, repräsentativen Befragung im Auftrag des auf Krebsversicherungen spezialisierten Unternehmens Getsurance hervor.

Alternativmedizin hoch bewertet

An zweiter Stelle (37 Prozent) steht die Bereitschaft, alternative Heilmethoden, wie zum Beispiel Vitaminkuren, Ayurveda oder Traditionelle Chinesische Medizin, aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Unterscheidet man hierbei nach den Geschlechtern, so halten 40 Prozent der Frauen eine Investition in alternative Heilmethoden für sinnvoll, aber nur 34 Prozent der Männer.

Der hohe Wert bei alternativen Heilmethoden stützt die Aussage des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, wonach Patienten eine Wende in der Versorgung hin zu einer integrativen Medizin, also dem Miteinander von Schul- und Naturmedizin, wünschten.

36 Prozent der Deutschen würden sich nach einer Krebsdiagnose eine Auszeit nehmen wollen und ihren Beruf vorerst nicht ausüben.

Ebenso viele wünschen sich den Ausgleich des Gehalts im Falle eines Arbeitsplatzverlustes – die Frage korrespondiert mit dem Geschäftsmodell des Krebspolicenanbieters Getsurance, der im Erkrankungsfall nach eigenen Angaben dem Versicherungsnehmer einen festgelegten Betrag zur freien Verfügung auszahlt.

Für die psychologische Betreuung würden 33 Prozent der Befragten im Falle einer Krebsdiagnose Geld in die Hand nehmen, für Haushaltshilfen und Chefarztbehandlung im Krankenhaus je 32 Prozent.

Kein Anspruch auf Beschäftigung?

20 Prozent würden Fahrtkosten selbst bezahlen, 18 Prozent die Unterbringung von Angehörigen im Krankenhaus. Mit 17 Prozent auf den zehnten Platz kommt die Behandlung im Ausland auf Selbstzahlerbasis.

Besonders sensibel im Falle einer Krebsdiagnose ist die Frage der Weiterbeschäftigung. Erst im Dezember sorgte eine Berliner Senatorin für Aufsehen, als sie einen krebskranken Staatssekretär gegen dessen Willen in den Ruhestand versetzen wollte. Dieser hatte die Diagnose Darmkrebs erhalten und angeboten, in Teilzeit weiterzuarbeiten.

„Kranke haben keinen Anspruch darauf, ihren Job zu behalten“, verdeutlicht Viktor Becher, Produktverantwortlicher für Krebsversicherungen bei Getsurance. Schwere Krankheiten seien sogar ein häufiger Kündigungsgrund, so Becher weiter. Das gilt vor allem dann, wenn die Langfrist-Prognose schlecht ist.

aerztezeitung.de

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